Vita
Musik als Entdeckung, Klang als gelebte Geschichte – dieser Gedanke durchzieht das künstlerische Schaffen von Jürgen Sonnentheil wie ein roter Faden. Seit seinen Anfängen im Windsbacher Knabenchor versteht er Musik nicht allein als Bewahrung von Tradition, sondern als lebendige Begegnung mit Vergangenheit und Gegenwart. Seine Ausbildung führte ihn an die Musikhochschulen in Bayreuth, Köln und Düsseldorf, wo er das Konzertexamen im Fach Orgel absolvierte. Prägende Impulse erhielt er unter anderem von Viktor Lukas, Marie-Claire Alain, Gaston Litaize, Ton Koopman, Hermann Max und Guy Bovet.
Als Organist, Dirigent und Festivalgründer verbindet Jürgen Sonnentheil musikwissenschaftliche Neugier mit einer lebendigen, unmittelbar berührenden Musizierpraxis. Internationale Wettbewerbserfolge ebneten früh den Weg zu einer vielseitigen Konzerttätigkeit. Im Zentrum seines Schaffens steht die Suche nach außergewöhnlichen Klangwelten – nach Werken, deren künstlerische Kraft oft übersehen wurde und die im Konzert wieder ihre ursprüngliche Ausdruckskraft entfalten können. Für ihn beginnt historische Aufführungspraxis dort, wo wissenschaftliche Erkenntnis zur Grundlage lebendiger musikalischer Gestaltung wird.
Mit dem von ihm gegründeten Ensemble Das Neu-Eröffnete Orchestre widmet er sich seit vielen Jahren der historisch informierten Aufführungspraxis. Die weltweit erste Gesamteinspielung der Orchesterwerke Jan Dismas Zelenkas auf historischen Instrumenten sowie zahlreiche weitere CD-Produktionen fanden internationale Anerkennung. Sie stehen exemplarisch für seinen Anspruch, wissenschaftliche Präzision und künstlerische Spontaneität zu einer überzeugenden musikalischen Einheit zu verbinden.
Auch seine umfangreiche Diskographie als Organist spiegelt diese Haltung wider. Sie reicht von der barocken Orgelkunst bis zu den Werken Wilhelm Middelschultes und dokumentiert eine außergewöhnliche stilistische Spannweite. Mit Einspielungen, Editionen und Konzerten hat Jürgen Sonnentheil wesentlich dazu beigetragen, Middelschultes Werk wieder in das internationale Musikleben und das Bewusstsein einer neuen Hörergeneration zu rücken.
Als künstlerischer Leiter der Kirchenmusik an St. Petri und St. Gertrud in Cuxhaven entwickelte er Konzertreihen und Festivals, die weit über die Region hinausstrahlen und Künstlerinnen, Künstler sowie Publikum aus dem In- und Ausland zusammenführen. Dabei versteht er Musik stets als Ort der Begegnung – zwischen Menschen, Epochen und Klangwelten.
Sein künstlerischer Weg ist geprägt von Offenheit, Entdeckerfreude und der Überzeugung, dass Tradition nur dann lebendig bleibt, wenn sie immer wieder neu befragt, erlebt und gestaltet wird.
Auch abseits der Musik sucht Jürgen Sonnentheil Bewegung und Weite – beim Skifahren, Windsurfen und Motorradfahren. Die Freude am Unterwegssein, an Konzentration und Freiheit verbindet diese Leidenschaften mit seinem musikalischen Schaffen: Immer geht es darum, neue Perspektiven zu gewinnen und Bekanntes mit wachem Blick neu zu entdecken.
